Offener Kanal und Minderheiten (Oktober 2007)
2 Multiplikatorenaus- und fortbildung
3 Sendungen in Minderheitensprachen im OK Fernsehen
4 Sendungen in Minderheitensprachen im OK Hörfunk
5 Ausblick
1 Vorbemerkung
Alle Aktivitäten des Offenen Kanals können deshalb nur darauf hinauslaufen, sprachlichen Minderheiten den Zugang zum Offenen Kanal so einfach wie möglich zu gestalten. Dass dies ein besonderes Anliegen des Offenen Kanals ist, dokumentiert auch das Logo des Offenen Kanals Schleswig-Holstein, in dem "Minderheiten" ausdrücklich aufgeführt sind.
Zur Praxis: Da die Mittel des Offenen Kanals beschränkt sind, ist er darauf angewiesen, bei der Unterstützung von Minderheitensprachen effektiv zu arbeiten.
Ein Schwerpunkt der OK- Aktivitäten besteht deshalb in der Ausbildung von Multiplikatoren, Mitgliedern der Minderheit selbst, um sie in die Lage zu versetzen, den Offenen Kanal kompetent zu nutzen.
- die Minderheiten gezielt auf die Möglichkeiten des Offenen Kanals hinzuweisen,
- den Minderheiten besondere technische Möglichkeiten und
- für die aus diesen Aktivitäten entstehenden Beiträge eine ausreichende Sendefläche und ggf. auch Verbreitungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
2 Multiplikatorenaus- und -fortbildung
Darüber hinaus führte der OKF 2006 Videoprojekte beispielsweise mit der Jes-Kruse-Skolen in Eckernförde und mit der Foreningen Norden durch. Bei beiden Projekten produzierten Schülerinnen und Schüler bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst Beiträge.
An der Westküste fanden 2003 acht Workshops statt, in denen im Rahmen eines Projektes der ULR Mitglieder der friesischsprachigen und der dänischsprachigen Minderheit als Multiplikatoren geschult wurden. Aus finanziellen Gründen konnte das Projekt nicht fortgeführt werden. Eines der Ergebnisse war aber, dass Ausbildungsaktivitäten im Hörfunk für die friesischsprachige Minderheit besonders erfolgversprechend sind (s. dazu "5 Ausblick").
3 Sendungen in Minderheitensprachen im OK Fernsehen
Der Offene Kanal unterstützt durch die Beistellung von Praktikanten die Aufzeichnung besonderer Veranstaltungen durch Bürgerinnen und Bürger mit dem mobilen TV-Studio. So wurde beispielsweise im Jahr 2006 im OKF mit einem eigens zu diesem Zweck geschulten Mobilstudio-Team des Sydslevigs danske Ungdomsforeninger (SdU), dem Dachverband der dänischen Jugendorganisationen, das Jahrestreffen der dänischen Minderheit in Schleswig aufgezeichnet. Weitere Einsätze des Mobilstudios fanden auch in Sønderjylland selbst statt. Seit Juni 2007 sendet der OKF in einem regelmäßigen monatlichen Sendefenster die einstündige Sendung "Magasin Aabenraa Lokal TV" – eine Produktion des dänischen Bürgerfernsehsenders Aabenraa Lokal TV, die über die kulturellen und gesellschaftlichen Ereignisse in der deutsch/dänischen Grenzregion berichtet. Aus der "Videoværksted Haderslev" werden seit April 2007 14tägig Trick-, Animations- und Kurzfilme im OKF ausgestrahlt.
3.2
Friesisch
Beiträge
auf Friesisch wurden gelegentlich von einzelnen Nutzerinnen oder
Nutzern im OKF zur Sendung gebracht.
3.3
Niederdeutsch
Ein
Schwerpunkt von niederdeutschen TV-Sendungen ist im OKK - Fernsehen
vorhanden. Von 2004-2006 wurden mit einem mobilen TV-Studio etliche
niederdeutsche Theaterstücke, die Laienspielgruppen
aufführten, aufgezeichnet und im OKK und OKF gesendet. Auf diese
Weise wird auch dieser wichtige Teil des niederdeutschen Kulturlebens
gepflegt. Hinzu kamen Aufzeichnungen der Plattdeutschen
Kirchentage
und von Schölers
leest Platt.
Darüber
hinaus überträgt der OKF seit 2003 regelmäßig
die Sendereihe "Tein
vör Acht – Plattdüütsch in'n OK Flensburg"
mit Lesungen plattdeutscher Kurzgeschichten. Insgesamt 93 Folgen
wurden bereits im Fernsehstudio des OKF produziert. Es ist geplant,
diese Sendereihe auch im OKK auszustrahlen.
3.4
Romanes
Hier
gibt es keine Aktivitäten des Offenen Kanals.
4 Sendungen in Minderheitensprachen im OK Hörfunk
Bis auf vereinzelte Sendungen im OKWK gibt es keine dänischsprachigen Sendungen im regelmäßigen Programm der Offenen Kanäle Hörfunk. Allerdings wurden während der Nordischen Filmtage in Lübeck im November 2006 Interviews und Berichte des OKL in den skandinavischen Originalsprachen Dänisch, Norwegisch und Finnisch geführt (und jeweils deutsch übersetzt). Diese Sendungen wurden auch in Kiel und an der Westküste live verbreitet.
4.2
Friesisch
Im
OKWK sendet seit dem 1. April 2005 Nordfriisk
Radio
(NFR) ein buntes Programm mit Musik und Nachrichten aus der Region in
nordfriesischer Sprache. Dieses friesische Webradio sendet
hauptsächlich nicht über UKW, sondern über das
Internet (www.nfradio.de). Seit dem Sendestart wird das Programm des
NFR aber auch über den OKWK im Sendegebiet an der Westküste
auf UKW ausgestrahlt. 2005 sendete NFR werktäglich live von
20.00 bis 22.00 Uhr. Seit Mitte April 2006 hat NFR seinen
Sendebetrieb reduziert und sendet im OKWK am Samstagvormittag von
9.00 bis 11.00 Uhr. Seit dem 1. Jan. 2008 hat das NFR seinen
Sendebetrieb eingestellt.
Wegen der Existenz der Frisistik am Nordischen Institut der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel sind einige Studierende, die am Projekt "Campusradio" des OKK teilnehmen, des Friesischen mächtig. Auf diese Weise gelangen gelegentlich friesischsprachige Beiträge in das Programm von Kiel FM, dem OKK Hörfunk.
4.3
Niederdeutsch
Im
OKWK sind plattdeutsche
Beiträge im wöchentlichen dreistündigen Magazin ETS
Radio
(Aussenstudio Stapelholm) ein fester Bestandteil (Rubrik: Ick vertell
di mol wat). Diese Beiträge werden u.a. von Schülern der
Plattdeutsch AG der Stapelholm Schule in Erfde gestaltet.
Auch eine regelmäßige plattdeutsche
Talkshow
der VHS Heide strahlt der OKWK in seinem Programm aus.
Durch gemeinsame Räumlichkeiten am Studiostandort Garding gibt es seit Frühjahr 2007 eine enge Kooperation mit der heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Stadt und Kirchspiel Garding sowie dem Heimatbund Landschaft Eiderstedt e.V. Vertreterinnen und Vertreter produzieren regelmäßig halbstündige Sendungen mit Geschichten und Döntjes, die im Programm des Offenen Kanals sowie in der Sendung der Stadtredaktion Garding ausgestrahlt werden. Darüber hinaus sind im OKWK niederdeutsche Beiträge überwiegend unregelmäßig in Sendungen eingestreut und werden nicht innerhalb einer bestimmten Struktur gesendet.
Im OKL haben umfangreiche niederdeutsche Sendungen und Beiträge einen festen Platz, überwiegend im Zusammenhang mit der dortigen Seniorenarbeit. So gibt es etwa im wöchentlichen Magazin Senior und Senior 50+ die plattdeutsche Geschichtenecke und jeden ersten und dritten Montag im Monat sendet das Stadtmagazin Ratzeburg, das überwiegend von Senioren betrieben wird, im Rahmen einer 55-Minutensendung einen plattdeutschen Beitrag. Außerdem gehört dort plattdeutsche Musik zum festen Repertoire. Im Seniorenradio Bad Schwartau wird regelmäßig über plattdeutsche Treffen berichtet. Regelmäßige Plattdeutsche Sendungen bringt auch das Außenstudio "Radio aus Bad Segeberg" im Hamburger Klönschnack und im Folkclub Bad Segeberg.
4.4
Romanes
Hier
gibt es keine Aktivitäten des Offenen Kanals.
5 Ausblick
Derzeit wird auch überlegt, ob es in Wiederholung eines ersten Anlaufs im Jahr 2000 frequenztechnisch und finanziell sinnvoll und möglich ist, eine Frequenz zu koordinieren und zu betreiben, die die nordfriesischen Inseln und das friesischsprachige Festland versorgt. Diese Frequenz wäre vom OKWK auszufüllen. Zur Umsetzung dieser Maßnahme sind aber viele Voraussetzungen noch völlig ungeklärt, sodass ein Zeitplan zur Umsetzung nicht vorliegt.
Ein weiterer Schwerpunkt wird der Versuch sein, regionalsprachliche Aktivitäten an die "MarktTreffs" anzukoppeln. MarktTreffs sind Mittelpunkte einer ländlichen Gemeinde, die Einkaufen und Klönen, Dienstleistungen und Internet, Bürgerengagement und Ehrenamt verbinden. Gemeinsam mit Akteuren aus den Regionen soll im Laufe des Jahres 2008 eine MarktTreff Radioredaktion (zur Auswahl: Stadum oder Neukirchen/ NF) entstehen, die regelmäßig über Ereignisse und Veranstaltungen in der Region berichtet – auf hoch- und/oder plattdeutsch sowie friesisch. Hierfür werden im laufenden Jahr vom OKWK Regionsreporter ausgebildet, die Radiobeiträge aus der und über die Region selbständig produzieren.
In Zusammenhang mit seinem Arbeitsschwerpunkt "Medienbildung im ländlichen Raum" plant der OKSH außerdem, 2008 ein "fliegendes digitales Klassenzimmer" zu betreiben, einen Anhänger mit PC-Arbeitsplätzen, in dem – z.B. zu Umwelt- und Weltthemen – vor Ort Schulung und Berichterstattung kombiniert werden sollen. In dieses "Medienbildungsmobil" soll eine "Ecke Digitale Heimat" integriert werden.
In dieser "Ecke" sollen von Jugendlichen und anderen Interessierten, die hierfür zu schulen sind, Dorfeinwohner gebeten werden, zu noch festzulegenden Themen oder Zeiträumen Geschichten zu erzählen. Hierfür ist eine digitale Dokumentationsumgebung erforderlich, die zusammen mit dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund entwickelt werden soll.










